Statistik & Datenanalyse

Packing

Auch: Packing-Wert · überspielte Gegner

Eine Kennzahl, die zählt, wie viele Gegenspieler ein Pass oder Dribbling ausschaltet, indem es sie hinter sich lässt.

Packing ist eine Kennzahl aus der Fußball-Datenanalyse, die misst, wie viele Gegenspieler ein Pass oder ein Dribbling überspielt und damit für einen Moment aus dem Spiel nimmt. Ein Pass, der zehn Gegner hinter sich lässt, erzielt einen hohen Packing-Wert, ein harmloser Querpass bleibt niedrig. Die Grundidee lautet, dass nicht die reine Zahl der Aktionen zählt, sondern ihr Nutzen auf dem Weg zum Tor [1].

Was Packing misst

Für jede Aktion wird gezählt, wie viele gegnerische Feldspieler sich im Moment des Passes oder Dribblings zwischen dem Ball und dem gegnerischen Tor befinden und anschließend überspielt werden. Diese überwundenen Gegner werden über das ganze Spiel aufaddiert und ergeben die Packing-Rate eines Spielers oder einer Mannschaft. Der Gedanke dahinter ist einfach: Je weniger Verteidiger noch zwischen Ball und Tor stehen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für einen Torerfolg [3].

Entstehung bei Impect

Entwickelt wurde die Methode ab Januar 2014 von den früheren Bundesliga-Profis Stefan Reinartz und Jens Hegeler, die dafür das Kölner Unternehmen Impect gründeten. Einem breiten Publikum wurde Packing bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich vorgestellt, als die Zahlen zum Spiel Deutschland gegen die Ukraine im Fernsehen auftauchten [2]. Hinter den Werten steckt viel Handarbeit, denn geschulte Mitarbeiter werten jede Szene nach mehreren Parametern aus, ein Teil davon in einer Niederlassung auf den Philippinen [4].

Überspielte Verteidiger als Kern

Besonders aussagekräftig ist nicht jeder ausgeschaltete Gegner, sondern das Überspielen von Verteidigern. Impect zählt diese überwundenen Abwehrspieler in einer eigenen Kennzahl, dem sogenannten Impect-Wert, weil ein Pass hinter die letzte Kette den Weg zum Tor deutlich stärker öffnet als ein Ball, der nur einen Stürmer hinter sich lässt [1]. Dieses Bypassing, also das gezielte Ausschalten der Abwehrreihe, gilt als der wertvollste Teil des Packings.

Ein Beispiel aus der Praxis

Wie deutlich Packing Überlegenheit sichtbar macht, zeigt das WM-Halbfinale 2014 zwischen Brasilien und Deutschland. Die Packing-Raten lagen bei 341 zu 402 zugunsten der deutschen Mannschaft, bei den überspielten Verteidigern betrug das Verhältnis sogar 53 zu 84 [1]. Damit trat die Dominanz viel klarer zutage, als es Ballbesitz oder Torschüsse allein je hätten ausdrücken können.

Wirkung statt reiner Passzahl

Der größte Vorteil der Kennzahl liegt darin, dass sie Qualität vor Quantität stellt. Ein Spieler mit wenigen, aber wirkungsvollen Aktionen wird sichtbar, während er in klassischen Statistiken wie der bloßen Passzahl leicht untergeht [3]. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass ein hoher Packing-Wert nicht zwangsläufig echte Torgefahr bedeutet, etwa wenn ein langer Abschlag des Torhüters viele Gegner überspielt, ohne wirklich gefährlich zu werden [3].

Verwandte Kennzahlen

Packing steht neben anderen modernen Größen der Spielanalyse. Der Schnittstellenpass beschreibt ähnlich das Durchbrechen einer Abwehrreihe, während die klassische Passquote nur den Anteil angekommener Pässe erfasst, ohne deren Nutzen zu bewerten. Kennzahlen wie PPDA messen dagegen die Intensität des Pressings einer Mannschaft [2]. Erst im Zusammenspiel dieser Werte entsteht ein rundes Bild einer Leistung.

Bedeutung in Analyse und Fernsehen

Heute nutzen zahlreiche Spitzenklubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen solche Daten für Scouting und Leistungsvergleich [4]. Auch im Fernsehen und in der digitalen Berichterstattung tauchen Packing-Werte regelmäßig auf, um Spielverläufe verständlicher zu machen [2]. Damit steht Packing beispielhaft für den Wandel des Fußballs hin zu einer datengestützten Betrachtung, in der der Nutzen einer Aktion mehr wiegt als ihre bloße Häufigkeit.

Auf einen Blick

misst
Zahl der überspielten Gegner
besonders wichtig
überspielte Verteidiger
Idee
Wirkung statt reiner Passzahl

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Packing im Fußball: Definition und Erklärung Akademie für Sport und Gesundheit
  2. Impect: Daten zu Fußballveranstaltungen Catapult
  3. Packing im Fußball Soccerdrills
  4. Profifußball: Die Datensammler der Fußball-Bundesliga nd-aktuell

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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