Investor
Auch: Geldgeber · Anteilseigner · Sponsor (Kapital)
Ein Geldgeber, der Kapital in einen Verein oder dessen Profigesellschaft einbringt und dafür Anteile oder Einfluss erhält.
Ein Investor ist ein Geldgeber, der Kapital in einen Fußballverein oder in dessen ausgegliederte Profigesellschaft einbringt. [4] Als Gegenleistung erhält er Anteile, Mitspracherechte oder die Aussicht auf eine spätere Wertsteigerung. Der Investor steht damit im Spannungsfeld zwischen sportlichem Ehrgeiz, wirtschaftlicher Chance und der Bewahrung der Fußballkultur.
Typen von Investoren
Investoren im Fußball treten in sehr unterschiedlicher Gestalt auf, von einzelnen Milliardären über Finanzfonds bis zu staatlichen Investmentgesellschaften. [4] Grob unterscheiden lassen sich drei Gruppen, nämlich Staatsfonds vor allem aus dem arabischen Raum, Milliardäre und Private-Equity-Fonds auf der Suche nach Rendite und Prestige sowie internationale Investmentgruppen bis hin zu großen Banken. [4] In der Premier League etwa befinden sich die meisten Klubs mehrheitlich in amerikanischer Hand. [4] Je nach Typ verfolgen die Geldgeber ganz verschiedene Ziele. [4]
Staatsfonds und Sportswashing
Eine besonders umstrittene Gruppe sind die Staatsfonds, die ganze Klubs übernehmen und den Sport für Imagepolitik nutzen. [1] Paris Saint-Germain gehört seit 2011 dem katarischen Fonds Qatar Sports Investments, Manchester City wird von Abu Dhabi kontrolliert, und 2021 übernahm der saudische Staatsfonds Newcastle United. [1] Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International werfen diesen Staaten Sportswashing vor, also das Aufpolieren des eigenen Images durch Sport. [1] Allein Saudi-Arabien investierte zwischen 2014 und 2021 rund 1,5 Milliarden US-Dollar in den globalen Sport und danach noch weit mehr. [4]
Private Equity
Eine andere Gruppe sind Private-Equity-Fonds, die den Fußball rein als Geldanlage betrachten. [3] Ihr Ziel ist es, den Wert ihrer Beteiligung über einige Jahre zu steigern und beim späteren Verkauf einen hohen Gewinn zu erzielen. [3] Große Fonds wie CVC investieren dabei oft nicht in einzelne Vereine, sondern gleich in ganze Ligen, etwa mit zwei Milliarden Euro für einen Anteil an den Vermarktungserlösen der spanischen LaLiga. [3] In Deutschland scheiterte ein solcher Einstieg 2024 am Widerstand der Fans. [3]
Multi-Club-Ownership
Ein neueres Phänomen ist die Multi-Club-Ownership, bei der ein Eigentümer gleich mehrere Vereine in verschiedenen Ländern besitzt. [2] Marktführer ist die von Abu Dhabi kontrollierte City Football Group mit rund dreizehn Klubs weltweit, ähnlich betreibt der Getränkekonzern Red Bull ein Netz von Vereinen von Leipzig bis New York. [2] Solche Netzwerke ermöglichen gemeinsames Scouting, einfache Transfers zwischen den Klubs und die Entwicklung junger Talente über Ländergrenzen hinweg. [2] Inzwischen stehen weltweit rund hundertfünfzig Vereine unter solcher Mehrfacheigentümerschaft, weshalb die UEFA 2024 erste Regeln gegen Interessenkonflikte einführte. [2]
Chancen für die Vereine
Für die Vereine kann frisches Kapital die Möglichkeit bedeuten, in Spieler, Nachwuchszentren und Infrastruktur zu investieren und so sportlich konkurrenzfähig zu bleiben. [4] Gerade die Professionalisierung und Modernisierung eines Klubs lässt sich mit dem Geld eines Investors oft deutlich beschleunigen. [4] Auch international steigt dadurch die Wettbewerbsfähigkeit, weil teure Transfers und moderne Stadien finanzierbar werden. [4] Ohne solches Kapital fällt es kleineren Vereinen schwer, mit den finanzstarken Klubs mitzuhalten. [3]
In Deutschland: 50+1 und Widerstand
In Deutschland begrenzt die 50+1-Regel den Einfluss von Investoren, indem sie dem Mutterverein die Stimmenmehrheit sichert. [3] Wie stark der Widerstand gegen zu viel Investorenmacht ist, zeigten die Fanproteste gegen den geplanten Einstieg des Fonds CVC, bei denen unter anderem Tennisbälle auf die Spielfelder geworfen wurden. [3] Vereine wie Union Berlin und der FC St. Pauli halten bewusst an ihrer mitgliedergetragenen Struktur fest. [2] So bleibt der deutsche Fußball gegenüber Vollübernahmen deutlich zurückhaltender als andere Ligen. [3]
Im Spannungsfeld
Die Rolle von Investoren wird von vielen Fans kritisch gesehen, weil sie die Kommerzialisierung des Sports vorantreiben und die Bindung an die Mitglieder schwächen können. [4] Zugleich verschärft das Geld die Ungleichheit, denn ein Viertel aller Einnahmen entfällt inzwischen auf nur zehn Spitzenklubs aus wenigen Ländern. [4] Der gescheiterte Versuch einer Super League zeigte, wie sehr rein wirtschaftliche Interessen mit den Werten der Anhänger kollidieren können. [4] Regeln wie das Financial Fairplay sollen den Einfluss der Investoren deshalb in geordnete Bahnen lenken. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Saudi-Arabien: Wie Scheichs den Fußball kapern News.at
- Fußball im Filialsystem: Wie Konzerne Vereine übernehmen Fever Pit'ch
- Finanzkraft am Spielfeldrand: Private Equity im Profifußball LIQID Smart Letter
- Private Investitionen im europäischen Fußball, Chance oder Gefahr? SFB 294 Eigentum
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