Hooligan
Auch: Hooligans · gewaltsuchende Fans
Personen, die den Fußball als Anlass für gewalttätige Auseinandersetzungen suchen und nicht der eigentlichen Fankultur zuzurechnen sind.
Als Hooligan werden Personen bezeichnet, denen es beim Fußball nicht um das Spiel oder die Unterstützung einer Mannschaft geht, sondern um die gewalttätige Auseinandersetzung mit gleichgesinnten Anhängern der Gegenseite. Sie nutzen den Fußball lediglich als Anlass und Kulisse für Schlägereien und sind der eigentlichen Fankultur nicht zuzurechnen. Im Vordergrund stehen das Erleben von Stärke, Macht und Selbstbehauptung in der Gruppe. [4] Die organisierte Fangewalt erreichte in Deutschland seit den 1970er Jahren eine neue Qualität und wurde zunehmend gezielt vorbereitet. [1]
Herkunft des Begriffs
Der Begriff stammt aus England und war dort bereits vor 1900 gebräuchlich, um gewalttätige und randalierende Personen zu beschreiben. Über den Ursprung des Wortes gibt es verschiedene Deutungen; oft wird es auf eine berüchtigte Londoner Familie oder Bande namens Hooligan zurückgeführt. In den deutschen Sprachgebrauch gelangte die Bezeichnung erst in den 1970er Jahren, als Ausschreitungen rund um Fußballspiele stärker in den Blick der Öffentlichkeit rückten und eine planvollere Form annahmen. [1]
Englische Hooligan-Geschichte
Ihre Blütezeit erlebte die englische Hooligan-Bewegung in den 1970er und 1980er Jahren, als das als English Disease bekannte Phänomen europaweit für Schlagzeilen sorgte. Trauriger Höhepunkt war die Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion 1985, als vor dem Europapokalfinale zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin 39 Menschen ums Leben kamen, nachdem eine Mauer unter dem Druck fliehender Zuschauer eingestürzt war. In der Folge wurden englische Vereine für mehrere Jahre von den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. [1]
Die dritte Halbzeit
Weil die Sicherheitsvorkehrungen in und um die Stadien im Laufe der Zeit deutlich verschärft wurden, verlagerte sich die Gewalt zunehmend an abgelegene Orte. Viele Hooligans verabreden sich heute fernab der Spielstätten zu Schlägereien, die in der Szene als eigenes Match oder als dritte Halbzeit bezeichnet werden. Solche Treffen finden oft in Wäldern, auf Feldern oder in Industriegebieten statt und folgen teils festen Absprachen über Teilnehmerzahl und Ablauf. Anders als bei spontanen Ausschreitungen steht dabei der verabredete Kampf zwischen zwei Gruppen im Mittelpunkt. [4]
Kategorien A, B und C
Zur Einschätzung des Gefahrenpotenzials teilen die Behörden Fußballbesucher in drei Kategorien ein. Kategorie A umfasst die friedlichen Zuschauer, Kategorie B die gewaltbereiten und Kategorie C die gewaltsuchenden Personen, zu denen die Hooligans gezählt werden. Erfasst und ausgewertet werden diese Daten von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), die beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist und unter anderem die Verbunddatei Gewalttäter Sport führt. [3] Fanvertreter kritisieren allerdings, dass Betroffene über eine Speicherung meist nicht informiert werden. [2]
Abgrenzung zu Ultras
Von den Hooligans klar zu unterscheiden sind die Ultras, die eine eigene Fankultur mit Choreografien, Gesängen und lautstarker Unterstützung ihres Vereins pflegen. Für Ultras steht die Mannschaft im Mittelpunkt und nicht die Gewalt; die meisten Gruppen distanzieren sich ausdrücklich von Schlägereien. [4] Auch die große Mehrheit der Stadionbesucher gehört der friedlichen Kategorie A an. Wenn Medien über Ausschreitungen berichten, sind daher nicht automatisch Hooligans gemeint, auch wenn die Grenzen zwischen den Szenen im Einzelfall verschwimmen können. [2]
Gegenmaßnahmen
Gegen gewaltbereite Fans setzen Polizei und Vereine ein ganzes Bündel von Maßnahmen ein. Dazu gehören örtlich begrenzte und bundesweite Stadionverbote, die Trennung rivalisierender Fanlager, Videoüberwachung sowie der Einsatz szenekundiger Beamter, die einzelne Personen kennen und an Spieltagen gezielt begleiten. [3] Ergänzend wirken Fanprojekte und Sozialarbeit vorbeugend, indem sie den Dialog suchen und Jugendliche früh erreichen, bevor sie sich der gewaltsuchenden Szene anschließen. [4]
Bedeutung heute
Seit den 1990er Jahren ist die offene Gewalt in den deutschen Stadien deutlich zurückgegangen, was vor allem auf die verbesserten Sicherheitskonzepte zurückgeführt wird. [1] Die Zahl der Festnahmen und Verletzten schwankt allerdings von Saison zu Saison und bleibt aus Sicht der Behörden auf einem hohen Niveau. [3] Das Phänomen hat sich vor allem verlagert: Statt in den Arenen tragen Hooligans ihre Auseinandersetzungen heute meist im Verborgenen aus, während in den Stadien eher Konflikte mit einzelnen Ultragruppen im Vordergrund stehen. [2]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Zuschauer, Fans und Hooligans Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
- Hooligans: Das Wichtigste zu gewaltbereiten Fußballfans Berliner Zeitung
- ZIS-Jahresbericht: deutlicher Rückgang an Fest- und Ingewahrsamnahmen Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW / Presseportal
- Hooligans und Ultras: Gewalt als Selbstbehauptung Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.