Regeln

Handspiel

Auch: Hand · Handspielregel · Handspiel-Regel

Das strafbare Berühren des Balls mit Hand oder Arm, sofern die Berührung absichtlich erfolgt oder die Körperfläche unnatürlich vergrößert.

Illustration eines Fußballspielers mit markiertem Bereich Hand und Arm – Handspiel im Fußball
Markiert: Hand und Arm

Weil Fußball das Spiel mit dem Fuß ist, gehört das Handspiel zu den grundlegenden Verboten. Seine genaue Auslegung zählt aber zu den schwierigsten und umstrittensten überhaupt, denn nicht jede Berührung mit Hand oder Arm ist strafbar. [5]

Was ein Handspiel ausmacht

Ein strafbares Handspiel liegt in zwei Grundfällen vor. Entweder berührt ein Spieler den Ball absichtlich mit Hand oder Arm, indem er die Hand zum Ball bewegt, oder er vergrößert seine Körperfläche auf unnatürliche Weise und trifft den Ball mit dem so abgespreizten Arm. [4] Eine unnatürliche Vergrößerung liegt vor, wenn die Armhaltung nicht die Folge einer normalen Körperbewegung ist und sich mit ihr nicht rechtfertigen lässt. Wer den Arm gezielt vom Körper wegstreckt und dadurch breiter macht, riskiert also einen Pfiff, auch ohne bewusst zum Ball gegriffen zu haben.

Die Grenze am Arm

Für die Frage, was überhaupt als Arm zählt, gibt es eine klare anatomische Grenze. Sie verläuft am unteren Rand der Achselhöhle, an der sogenannten Schulterlinie. [4] Alles unterhalb dieser Linie ist Arm und kann bei Ballkontakt zu einem Vergehen führen, ein Treffer an der Schulter oder darüber dagegen nicht. Diese Grenze wurde eingeführt, um die früher rein gefühlsmäßige Unterscheidung zwischen Schulter und Arm nachvollziehbarer zu machen.

Der Sonderfall Torerzielung

Eine besondere Strenge gilt rund um das Tor. Erzielt ein Angreifer ein Tor direkt mit Hand oder Arm oder bereitet er es unmittelbar mit einer Handberührung vor, zählt der Treffer nicht, und zwar unabhängig davon, ob die Berührung absichtlich war. [1] Hier verzichtet die Regel bewusst auf die Frage nach der Absicht, weil ein mit der Hand erzieltes Tor dem Grundgedanken des Spiels widerspricht. Für den Torschützen selbst gilt dieser Maßstab strenger als in allen anderen Situationen.

Wann es kein Handspiel ist

Genauso wichtig sind die Fälle, in denen kein Vergehen vorliegt. Trifft der Ball einen eng am Körper gehaltenen Arm aus kurzer Distanz, bleibt es meist straflos. [4] Stützt sich ein Spieler beim Fallen mit dem Arm am Boden ab und berührt dabei den Ball, ist die Armhaltung durch die Bewegung gerechtfertigt, die Stützhand gilt daher nicht als Vergehen. [2] Auch wenn der Ball zuerst vom eigenen Körper oder vom eigenen Fuß an die Hand desselben Spielers springt, wird nicht gepfiffen.

Die Reform von 2021

Die Handspielregel wurde in den vergangenen Jahren mehrfach umgeschrieben, zuletzt grundlegend zur Saison 2021 und 2022. [3] Der Schwerpunkt verschob sich weg von der schwer messbaren Absicht hin zur objektiv beurteilbaren Frage, ob die Armhaltung natürlich zur Bewegung passt. Zugleich fielen die früheren Sonderregelungen für Abpraller weitgehend weg, sodass nun im Kern die Position des Arms und der Zusammenhang mit einem Tor entscheiden. [3]

Strafe, Karte und Elfmeter

Wird ein Handspiel geahndet, gibt es einen direkten Freistoß, im eigenen Strafraum einen Strafstoß, den viele schlicht Handelfmeter nennen. [5] Eine Gelbe Karte kommt hinzu, wenn ein Spieler mit einem Handspiel ein Tor zu erzielen versucht oder einen aussichtsreichen Angriff des Gegners unterbindet. Verhindert die Hand sogar ein sicheres Tor, etwa auf der Linie, folgt die Rote Karte.

Der Torwart als Ausnahme

Die einzige Person, die den Ball regulär in die Hand nehmen darf, ist der Torwart, und das ausschließlich innerhalb seines eigenen Strafraums. [1] Verlässt er diesen Bereich oder nimmt er einen absichtlichen Rückpass eines Mitspielers mit der Hand auf, begeht auch er ein Vergehen. Für alle anderen Spieler bleibt die Hand am Ball auf dem gesamten Feld verboten.

Warum die Regel umstritten bleibt

Trotz aller Präzisierungen bleibt das Handspiel eine der größten Streitquellen des Fußballs. Das Regelwerk lässt bewusst Auslegungsspielraum, weshalb dieselbe Szene je nach Blickwinkel als Elfmeter oder als regulär gelten kann, ohne dass eine echte Fehlentscheidung vorliegt. [1] Gerade der Videobeweis hat diese Grauzone verschärft, weil er jede Berührung sichtbar macht und damit Diskussionen befeuert, die früher im Tempo des Spiels untergingen.

Auf einen Blick

strafbar bei
Absicht oder unnatürlicher Armhaltung
Ausnahme
Torwart im eigenen Strafraum
Ahndung
Freistoß oder Strafstoß

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Bayern gegen PSG: Was die Handregel wirklich besagt t-online
  2. Das Handspiel im Fokus: Stützhand ist kein Vergehen IG Schiedsrichter
  3. Neue Handspielregel 2021/22 aus Schiedsrichtersicht Online-Schiedsrichter-Schule
  4. Handspiel-Regel: Wann ein Handspiel geahndet wird Fußball-Nachschlagewerk
  5. Das absichtliche Handspiel beim Fußball: Finger weg Bundesliga

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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