Expected Goals (xG)
Auch: xG · erwartete Tore · Torerwartung
Ein Kennwert, der die Qualität einer Torchance als Wahrscheinlichkeit ausdrückt, dass aus ihr ein Tor entsteht.
Expected Goals, kurz xG, gehört zu den zentralen Kennzahlen der modernen Fußballanalyse. Der Wert beziffert die Qualität einer Torchance als Wahrscheinlichkeit, dass aus ihr ein Tor entsteht. Jeder Abschluss bekommt dafür eine Zahl zwischen 0 und 1 zugewiesen, wobei etwa 0,3 für eine Trefferwahrscheinlichkeit von 30 Prozent steht. Seit 2020 sind Expected Goals fester Bestandteil der offiziellen Bundesliga-Statistik. [1]
Definition und Berechnung
Grundlage jedes xG-Werts ist die sogenannte Torwahrscheinlichkeit. Statistische Modelle werten dafür Tausende historischer Schüsse aus und prüfen, wie oft ein Abschluss aus einer vergleichbaren Situation tatsächlich im Tor landete. [2] Ein neuer Schuss wird dann mit diesen Erfahrungswerten abgeglichen und erhält seinen eigenen Wahrscheinlichkeitswert. Addiert man die Werte aller Abschlüsse eines Spielers oder einer Mannschaft, ergibt sich die Summe der Expected Goals, also die Zahl der Tore, die nach Chancenqualität statistisch zu erwarten gewesen wäre.
Diese Faktoren fließen ein
Ob eine Chance hochwertig oder aussichtslos ist, hängt von mehreren Merkmalen ab. Die wichtigsten sind die Distanz zum Tor und der Schusswinkel, denn aus kurzer, zentraler Position fällt ein Tor deutlich leichter. [3] Hinzu kommen das eingesetzte Körperteil und die Körperhaltung, die Zahl der Verteidiger zwischen Ball und Tor, die Position des Torwarts sowie die Art der Vorlage, etwa Flanke, Steilpass oder Dribbling. Auch die Spielsituation zählt, also ob der Abschluss aus dem laufenden Spiel, nach einem Standard oder als Elfmeter erfolgt.
Ein Beispiel aus der Praxis
Der Unterschied wird an zwei Situationen deutlich. Ein Elfmeter erhält immer einen festen Wert von rund 0,76, weil Strafstöße historisch etwa drei von vier Malen verwandelt werden. [1] Ein Distanzschuss aus 25 Metern liegt dagegen oft bei nur 0,03. Auf Mannschaftsebene lässt sich so ablesen, ob ein Team seine Möglichkeiten nutzt. Kam der FC Bayern in einer Saison auf 20,2 xG, erzielte aber 34 Tore, spricht das für eine überdurchschnittliche Chancenverwertung. [1]
Aussagekraft und Nutzen
Der Vergleich von Expected Goals und tatsächlich erzielten Toren zeigt, ob eine Mannschaft über- oder unterperformt. Wer dauerhaft weniger trifft, als die xG-Summe erwarten lässt, hat entweder Pech oder Schwächen im Abschluss. [2] Über ein einzelnes Spiel ist der Wert stark schwankend, weil ein einziger Ausreißer viel bewegt. Über viele Partien hinweg gilt xG jedoch als stabilerer Indikator für die Spielstärke als die reine Toranzahl und filtert einen Teil des Zufalls heraus.
Grenzen und Kritik
So nützlich die Kennzahl ist, sie bleibt ein Modell mit Unschärfen. xG bewertet die Durchschnittschance und berücksichtigt nicht, wie gut oder schlecht ein einzelner Spieler abschließt. [3] Auch die individuelle Klasse eines Torjägers, die exakte Körperhaltung oder ein abgefälschter Ball lassen sich kaum vollständig abbilden. Verschiedene Anbieter nutzen zudem unterschiedliche Modelle, weshalb der xG-Wert derselben Chance je nach Berechnung abweichen kann. Als alleiniger Maßstab taugt die Zahl deshalb nicht.
Verwandte Kennzahlen
Rund um xG ist eine ganze Familie von Werten entstanden. Expected Assists (xA) messen die Qualität einer Vorlage, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pass zu einem Tor führt. Expected Points (xP) rechnen die Chancenqualität in erwartbare Punkte um. [2] Der Vergleich von xG mit den echten Toren ergibt schließlich eine Kennzahl für die Chancenverwertung, die die Effizienz vor dem Tor sichtbar macht.
Bedeutung im modernen Fußball
Expected Goals haben den Blick auf das Spiel verändert. Vereine wie der FC Brentford setzen bei der Kaderplanung gezielt auf xG-starke Spieler, und Trainer bewerten Leistungen zunehmend unabhängig vom nackten Ergebnis. [4] Auch im Datenjournalismus sind die Werte fester Bestandteil geworden. Analysen zeigen etwa, dass der Anteil der Distanztore in der Bundesliga zurückgegangen ist, weil Mannschaften bewusst hochwertigere Abschlüsse aus kurzer Distanz suchen. [4] So ist aus einer Nischenidee der Datenanalyse eine allgemein anerkannte Sprache des Fußballs geworden.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Expected Goals (xG) and Goal Probability explained Bundesliga (DFL)
- Was ist xG? Erwartete Tore erklärt Hudl
- Wie wird der Wert für Expected Goals im Fußball berechnet? SoccerDrills
- Expected Goals: Wie ein Daten-Modell den Fußball verändert WattMitMedien, Jade Hochschule
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.