Wettkampf, Format & Zählweise

Elfmeterschießen

Auch: Penaltyschießen · Shootout · Elferschießen

Die Entscheidung eines K.o.-Spiels durch abwechselnde Strafstöße beider Mannschaften, zunächst je fünf Schützen.

11 m

Das Elfmeterschießen entscheidet ein K.-o.-Spiel, wenn auch nach der Verlängerung kein Sieger feststeht. [1] Beide Mannschaften treten dazu abwechselnd vom Elfmeterpunkt an, bis eine von ihnen vorne liegt. Es gilt als eine der grausamsten und zugleich fesselndsten Entscheidungsformen des Sports, weil es Technik, Kaltblütigkeit und Glück zu einem dramatischen Finale verbindet.

Der Ablauf

In der ersten Runde treten beide Mannschaften mit je fünf Schützen an, die abwechselnd auf dasselbe Tor schießen, wer beginnt, wird ausgelost. [1] Wer nach diesen fünf Versuchen mehr Treffer erzielt hat, gewinnt, wobei ein Nachschuss nicht erlaubt ist und der Schütze den Ball nur einmal spielen darf. [1] Steht es nach fünf Schützen gleich, geht es im plötzlichen Tod weiter, bei dem nach je einem weiteren Schützen die erste Differenz entscheidet. [1] Führt eine Mannschaft uneinholbar, wird sofort abgebrochen. [2]

Wer schießen darf

Antreten dürfen nur Spieler, die bei Spielende auf dem Feld standen, verletzte Torhüter dürfen ausgetauscht werden, sofern noch ein Wechsel offen ist. [2] In welcher Reihenfolge die fünf Schützen antreten, kann jede Mannschaft frei bestimmen und taktisch festlegen. [1] Bevor ein Schütze ein zweites Mal antritt, müssen jedoch erst alle anderen berechtigten Spieler an der Reihe gewesen sein. [2] Während eines Schusses halten sich nur Schütze, Torwart und Schiedsrichter im Strafraum auf. [2]

Erfunden von Karl Wald

Das moderne Elfmeterschießen geht auf den bayerischen Amateurschiedsrichter Karl Wald zurück, der es Ende der sechziger Jahre ersann. [1] Zuvor wurde der Sieger bei anhaltendem Gleichstand oft durch das Los ermittelt, was Wald als sportlich ungerecht empfand. [1] Am 30. Mai 1970 fand er auf dem bayerischen Schiedsrichtertag in München gegen den Widerstand der Verbandsführung eine Mehrheit für seine Idee, die anschließend von DFB, UEFA und FIFA übernommen wurde. [1] So wurde aus einem regionalen Vorschlag eine weltweit gültige Regel. [1]

Der ABBA-Versuch

Weil Statistiken zeigen, dass die zuerst schießende Mannschaft häufiger gewinnt, wurde zeitweise ein anderes Verfahren erprobt, das ABBA-System. [1] Statt der üblichen Reihenfolge, bei der die Teams streng abwechselnd schießen, folgen die Schüsse dabei dem Muster ABBAABBA. [1] Ziel war es, den Startvorteil der beginnenden Mannschaft auszugleichen, ähnlich wie beim Tiebreak im Tennis. [2] Das Experiment setzte sich jedoch nicht dauerhaft durch, sodass meist wieder das klassische Wechselschema gilt.

Ein Nervenduell

Das Elfmeterschießen ist im Kern ein reines Nervenduell zwischen Schütze und Torwart, bei dem Kaltblütigkeit über Erfolg oder Scheitern entscheidet. [1] Statistisch verwandeln Schützen etwa fünfundsiebzig bis achtzig Prozent aller Elfmeter, der Ausgang hängt also weniger vom Zufall als von Nervenstärke und Übung ab. [1] Der Torwart kann hier zum Helden werden, wenn er einen oder mehrere Schüsse pariert, wie es etwa das berühmte Elfmeterschießen der EM 1976 mit Antonín Panenkas frechem Heber zeigte. [2]

Lehmann und der Spickzettel 2006

Ein Paradebeispiel für die Rolle des Torhüters lieferte das WM-Viertelfinale 2006 zwischen Deutschland und Argentinien. [3] Vor dem Schießen steckte Torwarttrainer Andreas Köpke dem deutschen Keeper Jens Lehmann einen kleinen Zettel mit Notizen zu den argentinischen Schützen zu, den dieser zwischen den Schüssen aus dem Stutzen zog. [3] Während alle deutschen Schützen trafen, parierte Lehmann zwei Elfmeter, darunter den entscheidenden von Estéban Cambiasso, und Deutschland gewann mit fünf zu drei. [3] Der Zettel selbst liegt heute als Museumsstück im Haus der Geschichte in Bonn. [3]

Grausam und fesselnd

Kein anderer Moment im Fußball verdichtet Hoffnung und Verzweiflung so sehr wie das Elfmeterschießen, in dem ein einzelner Schuss über ganze Turniere entscheiden kann. [4] Für den Helden ist es der größte Triumph, für den Gescheiterten eine oft jahrelang nachwirkende Bürde. Der Ausgang von 2006 zeigte zudem, wie aufgeladen die Situation ist, denn nach dem Sieg kam es zu einem Handgemenge, in dessen Folge Torsten Frings für das Halbfinale gesperrt wurde. [4] Schon manches große Turnier wurde erst vom Punkt entschieden.

Auf einen Blick

Erste Runde
je 5 Schützen
danach
plötzlicher Tod, je 1 Schütze
Ort
Elfmeterpunkt, 11 m

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Elfmeterschießen im Fußball: Ablauf, Regeln und Geschichte owayo Magazin
  2. Elfmeterschießen: 10 wichtige Fakten und Regeln Spielregeln.de
  3. LeMO Objekt: Dokument Lehmann-Spickzettel Haus der Geschichte
  4. Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Planet Wissen

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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