Gesundheit, Medizin & Prävention

Achillessehnenriss

Auch: Achillessehnenruptur · Riss der Achillessehne

Ein Riss der kräftigen Sehne zwischen Wade und Ferse, eine schwere Verletzung mit langer Ausfallzeit.

Illustration eines Fußballspielers mit markiertem Bereich Achillessehne – Achillessehnenriss im Fußball
Markiert: Achillessehne

Der Achillessehnenriss, medizinisch Achillessehnenruptur, ist eine plötzliche Durchtrennung der kräftigen Sehne zwischen Wadenmuskulatur und Ferse. Er gilt als eine der gefürchtetsten Verletzungen im Freizeit und Amateurfußball, weil er mit starken Schmerzen, sofortigem Kraftverlust und einer Ausfallzeit von vielen Monaten einhergeht. Die Achillessehne ist die häufigste von einer Ruptur betroffene Sehne des Menschen. In Deutschland wird die Inzidenz auf etwa 20 Fälle je 100.000 Einwohner pro Jahr geschätzt, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. [3] Typisch ist der Moment beim schnellen Antritt oder Absprung, in dem Betroffene einen peitschenartigen Knall hören und glauben, von hinten getreten worden zu sein. [1]

Anatomie und Funktion der Achillessehne

Die Achillessehne ist die stärkste und dickste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet die beiden Wadenmuskeln, den Musculus gastrocnemius und den Musculus soleus, mit dem Fersenbein und überträgt so deren Kraft auf den Fuß. [2] Bei jedem Abstoßen, Springen und Laufen wirkt sie wie ein Kraftverstärker und muss dabei ein Vielfaches des Körpergewichts aushalten. Genau diese hohe Beanspruchung macht sie anfällig. Ein kompletter Riss ereignet sich meist in einem schlecht durchbluteten Abschnitt etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes am Fersenbein, wo die Sehne am dünnsten und am wenigsten mit Blut versorgt ist. [1]

Mechanismus und Risikogruppen

Der klassische Auslöser ist eine plötzliche, indirekte Krafteinwirkung bei angespannter Sehne, etwa beim explosiven Antritt aus dem Stand, bei einer scharfen Richtungsänderung oder beim Absprung. Videoanalysen von 86 Rupturen bei Profifußballern zeigten, dass die Verletzung besonders häufig bei der Beschleunigung aus dem Stand (42 Prozent), bei Cutting-Bewegungen (25 Prozent) und beim vertikalen Sprung (18 Prozent) auftrat. Bemerkenswert: 83 Prozent entstanden ohne gegnerischen Kontakt. [4] Besonders gefährdet sind Freizeitsportler zwischen 30 und 50 Jahren, oft mit vorbestehender degenerativer Schädigung der Sehne. Weitere Risikofaktoren sind frühere Sehnenreizungen, Fußfehlstellungen, die Einnahme von Kortison sowie bestimmte Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone. [2][3]

Symptome und der Knall

Der Riss macht sich meist schlagartig bemerkbar. Betroffene beschreiben einen lauten, peitschenartigen Knall, gefolgt von einem heftigen, stechenden Schmerz an der Rückseite des Unterschenkels knapp oberhalb der Ferse. [3] Viele meinen im ersten Moment, ein Gegner habe ihnen von hinten gegen das Bein getreten, obwohl niemand in der Nähe war. Danach folgen ein deutlicher Kraftverlust, eine Schwellung und häufig ein Bluterguss am Unterschenkel. Oft lässt sich eine tastbare Delle im Verlauf der Sehne ertasten. Charakteristisch ist, dass der einbeinige Zehenstand auf der betroffenen Seite nicht mehr möglich ist und das Abstoßen des Fußes versagt. [1][2]

Diagnose und der Thompson-Test

Die Diagnose stellt der Arzt meist schon klinisch, denn die körperliche Untersuchung ist oft aussagekräftiger als bildgebende Verfahren. [1] Zentral ist der Thompson-Test: Der Patient liegt in Bauchlage, der Untersucher drückt die Wadenmuskulatur zusammen. Bei intakter Sehne bewegt sich der Fuß dabei nach unten, in eine Plantarflexion. Bleibt diese Bewegung aus, gilt der Test als positiv und weist auf einen kompletten Riss hin. [3] Ergänzend werden der Matles-Test und das Abtasten der Delle genutzt. Zur Sicherung und zur Unterscheidung von Teilrissen dienen Ultraschall und gegebenenfalls eine MRT. [1]

Konservative und operative Behandlung

Zur Behandlung stehen zwei Wege offen. Bei der konservativen Therapie wird der Fuß in einer Spitzfußstellung ruhiggestellt, damit sich die Sehnenenden von selbst wieder verbinden. Dazu dient ein Spezialschuh mit erhöhter Ferse, der über mehrere Wochen getragen wird. [2] Die operative Versorgung näht die gerissenen Enden direkt zusammen. Die Wahl hängt von Alter, Aktivitätsniveau, dem Ultraschallbefund und dem Wunsch des Patienten ab. Bei jüngeren, sportlich sehr aktiven Menschen wird eher zur Operation geraten. [3] Beide Verfahren erfordern anschließend eine konsequente, über Wochen dauernde Ruhigstellung und Nachbehandlung. [1]

Reha und Ausfallzeit

Unabhängig von der gewählten Methode ist eine schrittweise Rehabilitation entscheidend. Nach mindestens acht Wochen Ruhigstellung folgt ein langsamer Belastungsaufbau, bis die volle Belastbarkeit nach etwa drei bis sechs Monaten erreicht ist. [2] Für Amateurfußballer bedeutet das eine sehr lange Pause. Im Leistungssport beträgt die durchschnittliche Rückkehr zum Wettkampf rund elf Monate, und in ungünstigen Fällen kann die Verletzung sogar das Karriereende bedeuten. [4] Eine sorgfältige Nachsorge mit Physiotherapie und Aufbautraining entscheidet maßgeblich darüber, ob der Sportler später wieder uneingeschränkt laufen und spielen kann.

Prävention und Bedeutung

Ganz verhindern lässt sich ein Achillessehnenriss nicht, doch das Risiko lässt sich senken. Ein gründliches Aufwärmen vor dem Sport und Dehnen danach, ein langsamer Belastungsaufbau statt plötzlicher Überlastung sowie ein dem Körperbau angemessenes Gewicht gelten als sinnvolle Maßnahmen. [2] Da im Fußball vor allem Antritte und Richtungswechsel gefährlich sind, empfehlen Sportmediziner gezieltes exzentrisches Krafttraining der Wade und Übungen zur neuromuskulären Kontrolle. [4] Wer wiederkehrende Beschwerden an der Sehne spürt, sollte diese ernst nehmen, denn eine vorgeschädigte Sehne reißt deutlich leichter. Für den ambitionierten Freizeitkicker bleibt der Achillessehnenriss eine der einschneidendsten Verletzungen überhaupt.

Auf einen Blick

Ort
Sehne zwischen Wade und Ferse
Ursache
explosive Abstoßbewegung
Ausfallzeit
oft mehrere Monate

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Achillessehnenrupturen MSD Manual Profi-Ausgabe
  2. Achillessehnenriss: Ursachen, Therapie und Heilungsdauer Gelenk-Klinik Gundelfingen
  3. Achillessehnenruptur AMBOSS
  4. Verletzungsmechanismen bei Achillessehnenruptur im Profifußball Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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