Ablösesumme
Auch: Ablöse · Transfersumme · Ablösezahlung
Die Geldsumme, die ein Verein an den abgebenden Verein zahlt, um einen noch unter Vertrag stehenden Spieler zu verpflichten.
Die Ablösesumme ist der Betrag, den ein aufnehmender Verein an den abgebenden zahlt, um einen Spieler zu verpflichten, dessen Vertrag noch läuft. [3] Sie ist eine Entschädigung dafür, dass der Spieler vorzeitig aus seinem bestehenden Vertrag herausgelöst wird. Damit ist die Ablösesumme die zentrale Kennzahl des Transfermarkts.
Entschädigung für den Vertrag
Der Grundgedanke der Ablöse ist einfach, sie entschädigt den abgebenden Verein für den vorzeitigen Verlust eines Spielers, den er unter Vertrag hat. [1] Weil ein gültiger Vertrag den Spieler eigentlich bindet, muss der interessierte Klub diese Bindung durch eine Zahlung ablösen. [1] Das Geld fließt dabei ausschließlich an den bisherigen Verein, nicht an den Spieler, der über sein eigenes Gehalt separat verhandelt. [3] Ohne diese Entschädigung könnte kein Spieler vor Vertragsende den Verein wechseln. [1]
Wovon die Höhe abhängt
Wie hoch die Ablöse ausfällt, handeln die beiden Vereine aus, wobei zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen. [3] Als wichtigstes Kriterium gilt die sportliche Qualität des Spielers, hinzu kommen Alter, Position, das Niveau seiner Liga und seine Verletzungshistorie. [3] Offensivspieler sind dabei in der Regel teurer als Defensivspieler, und zunehmend zählt auch der Werbewert eines Profis mit seiner Reichweite in den sozialen Medien. [3] Die Ablöse ist damit immer eine Mischung aus objektiver Leistung und wirtschaftlichem Kalkül. [3]
Vertragslaufzeit als Hebel
Ein besonders wichtiger Faktor ist die verbleibende Restlaufzeit des Vertrags. [3] Steht ein Spieler noch zwei bis drei Jahre unter Vertrag, lässt sich eine hohe Ablöse erzielen, weil der Verein nicht verkaufen muss. [3] Je näher das Vertragsende rückt, desto größer wird dagegen die Gefahr, den Spieler bald ablösefrei zu verlieren, was den Preis drückt und den Verkaufsdruck erhöht. [3] Auch die Dringlichkeit eines Transfers und der Zeitdruck kurz vor Fensterschluss können die Summe in die Höhe treiben. [3]
Marktwert und Ablöse
Oft wird die Ablöse mit dem Marktwert verwechselt, doch beide sind nicht dasselbe. [4] Der Marktwert ist eine geschätzte Kennzahl, die Alter, Potenzial, Leistung und Liganiveau berücksichtigt, während die tatsächliche Ablöse das Ergebnis konkreter Verhandlungen ist. [4] Ein gutes Beispiel ist Enzo Fernández, dessen Marktwert nach der WM 2022 bei rund fünfundfünfzig Millionen Euro lag, den der FC Chelsea aber für hunderteinundzwanzig Millionen verpflichtete, weil der Klub ihn unbedingt wollte und Benfica am längeren Hebel saß. [4] Die Ablöse kann also deutlich über oder unter dem Marktwert liegen. [4]
Die Ausstiegsklausel
Manche Verträge enthalten eine feste Ausstiegsklausel, die die Ablöse im Voraus festlegt. [2] Zahlt ein Verein während des Transferfensters genau diesen Betrag, muss der abgebende Klub den Spieler ziehen lassen, ohne weiter verhandeln zu können. [2] Große Vereine setzen diese Klauseln oft bewusst sehr hoch an, um Abgänge zu erschweren, so hatte Marc-André ter Stegen beim FC Barcelona eine Klausel von fünfhundert Millionen Euro und Lionel Messi sogar von siebenhundert Millionen. [1] Solche Summen wirken vor allem abschreckend. [2]
Boni und Weiterverkauf
Zur reinen Ablöse kommen häufig weitere vertragliche Bausteine hinzu, die den Gesamtpreis beeinflussen. [4] Üblich sind erfolgsabhängige Bonuszahlungen, die etwa bei einer bestimmten Zahl an Einsätzen oder Titeln fällig werden. [4] Ebenso vereinbaren Vereine oft eine Weiterverkaufsbeteiligung, bei der der frühere Klub an einem späteren Verkauf mitverdient, oder eine Rückkaufoption. [4] Dadurch ist die genannte Ablösesumme oft nur ein Grundbetrag, der durch Zusätze noch steigen kann. [4]
Ablösefrei nach Bosman
Läuft der Vertrag eines Spielers dagegen aus, kann er ablösefrei wechseln, ohne dass eine Zahlung fällig wird. [1] Diese Möglichkeit besteht seit dem Bosman-Urteil von 1995, das Wechsel nach Vertragsende ohne Ablöse ermöglichte. [1] Für Vereine ist ein auslaufender Vertrag deshalb ein großes Risiko, weil ein wertvoller Spieler sonst ohne jede Gegenleistung geht. [1] Im Spitzenfußball erreichen einzelne Ablösesummen dagegen dreistellige Millionenbeträge und bestimmen einen großen Teil der Ausgaben eines Vereins. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Vertragsrecht: Die Ausstiegsklausel im Profifußball Legal Tribune Online
- Was ist eine Ausstiegsklausel und was bedeutet sie? Goal.com
- Die 12 Faktoren: So entstehen Ablösesummen Fussballtransfers.com
- Manuel Baum über Transfers: So entstehen Marktwerte und Ablösesummen Sports Illustrated
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.